Suchmaschinenoptimierung und SEO-Beratung

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Florida Update

Von Bernhard Heß | 29.Juli 2011

Das Florida Update von Google, das am 16.11.2003 zunächst über das englischsprachige Web wie ein Hurrikan kam, führte zu erdrutschartigen Veränderungen im Ranking sehr vieler Webseiten. Man könnte sagen, hinterher war nichts mehr wie vorher. Das deutsche Web war etwas später betroffen, hier folgte Anfang 2004 das „Austin-Update“. Was war geschehen?

Effekte des Florida-Updates

Updates von Suchmaschinen sind faktisch Neusortierungen der Suchalgorithmen, eine Art Generalinventur, bei der überprüft wird, ob die alten Spielregeln noch gelten sollen. Im Rahmen des Florida-Updates entschloss sich Google offenbar zu einer sehr großen Neubewertung seiner eigenen Regeln. Infolgedessen landeten Seiten, die jahrelang – zu Recht – sehr weit vorn gestanden hatten, im Nirwana des Web-Space, die bis dahin gültige Suchmaschinenoptimierung war nach Meinung vieler Beobachter komplett auf den Kopf gestellt worden. Die Bedeutung von Suchresultaten hatte sich verschoben, es tauchten Ergebnisse auf, die nicht gewollt und aus Sicht vieler Nutzer irrelevant waren.

Netz-Theorien

Natürlich fanden sich umgehend die Communities zusammen, um den Vorgang zu analysieren, und entwickelten dazu einige Theorien. Die Hauptthese lautete, dass Google seit Ende 2003 einen SEO-Filter einsetzte, der alle Seiten, die auf eine Suchanfrage zutrafen, nach neuen Kriterien sortierte und einige von ihnen dabei durchs Raster fielen. Der Hintergrund: Es sollten künstlich promotete Seiten, die allein aufgrund von aufgebauschter Backlink-SEO weit vorn gelandet waren, abgerankt werden. Die Theorie war allerdings etwas zu simpel und gab keine völlig schlüssige Antwort auf das Florida-Debakel. Also wurde die Hypothese verfeinert. Man vermutete, dass nur bestimmte Such-Terms (Such-Algorithmen) von Google verändert worden waren. Zum Beispiel wäre es möglich, Backlinks aus Blogs, die ein Nutzer einfach in Gastkommentare setzen kann, anders als zuvor zu bewerten.

Bestrafung kommerzieller Seiten?

Nachdem die Gemeinde feststellte, dass vor allem kommerzielle Anbieter vom Downranking betroffen waren, aber Nachrichtenseiten zum Beispiel nicht, wurde vermutet, dass Google alle Webseiten mit monetären Begriffen schlechter bewertet. Damit könnte Google zugunsten der eigenen Werbeplätze gehandelt haben, die über das AdWords-Programm gebucht werden. Kommerzielle Seiten, die aufgrund reiner SEO-Maßnahmen auf vorderen Plätzen gelandet waren, wären somit verdrängt worden.

Kritik an den vorgestellten Theorien

Experten aus dem angloamerikanischen Web bezweifeln diese Theorien, weil diese voraussetzen, dass Google Suchresultate „sortiert“. Auch der Ansatz, Google habe die Semantik der Suche verändert, Wortstämme neu zusammengeführt, wird verworfen. Stattdessen wird vermutet, dass Google im Jahr 2003 auf ein System namens „Hilltop“ wenigstens teilweise zurückgriff, das im Jahr 1999 der Programmierer Krishna Bharat entworfen hatte und das, vereinfacht gesagt, themenverwandte Seiten viel eher miteinander verbindet und damit nach oben rankt als backlink-optimierte Seiten. Das war schließlich einmal die ursprüngliche Intention der Suchmaschinen und ist es in den Augen von Google – und übrigens vieler Nutzer – bis heute geblieben. Allerdings wurde diese Intention durch mannigfaltige SEO-Bemühungen verwässert, indem einfach kommerzielle Seiten so massiv für Backlinks sorgen, dass sie allein aufgrund dieses Marketings stets weit vorn gerankt werden. Mit dem Florida-Update hat Google also das Rad etwas zurückgedreht, ohne allerdings bewusst kommerzielle Anstrengungen zu bestrafen.

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Autor des Artikels: Bernhard Heß



Bernhard Heß ist selbstständiger Suchmaschinenoptimierer und bloggt über Aktuelles, Trends und Veränderungen rund um SEO. Mehr Informationen auch bei Google+, Twitter und bei Facebook.

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